Wenn Sie zum ersten Mal Cannabis-Tinktur einnehmen, fragen Sie sich wahrscheinlich: Wie viele Tropfen sollte ich wirklich nehmen? Es gibt keine einheitliche Antwort - denn die richtige Dosis hängt von Ihrem Körper, Ihrer Erfahrung und dem Zweck ab. Aber das heißt nicht, dass Sie im Dunkeln tappen müssen. Mit klaren Richtlinien und ein paar einfachen Schritten finden Sie Ihre individuelle Dosierung sicher und ohne Überreaktionen.
Was ist Cannabis-Tinktur?
Cannabis-Tinktur ist eine alkoholische Lösung, die aus Cannabisblüten hergestellt wird. Die Wirkstoffe, vor allem THC und CBD, lösen sich im Alkohol und können dann unter der Zunge aufgenommen werden. Im Vergleich zum Rauchen oder Essen ist die Wirkung schneller - meist innerhalb von 15 bis 45 Minuten - und länger anhaltend als bei Rauchen, aber nicht so lang wie bei Essen. Das macht sie ideal für Menschen, die eine kontrollierbare, aber nicht sofortige Wirkung brauchen.
Die meisten Tinkturen haben eine Stärke von 10 bis 50 mg THC pro Milliliter. Ein typischer Tropfen enthält etwa 0,05 ml Flüssigkeit. Das klingt wenig, aber bei konzentrierten Lösungen reicht das schon aus, um eine deutliche Wirkung zu erzielen.
Starten Sie mit einer minimalen Dosis
Wenn Sie neu bei Cannabis-Tinktur sind: Beginnen Sie mit einem Tropfen. Ja, wirklich nur eins. Geben Sie ihn unter die Zunge, halten Sie ihn dort 60 bis 90 Sekunden, dann schlucken Sie. Warten Sie mindestens zwei Stunden, bevor Sie einen weiteren Tropfen nehmen. Viele Menschen überschätzen die Wirkung, weil sie denken, mehr Tropfen = stärkere Wirkung. Das stimmt nicht - und kann zu unangenehmen Nebenwirkungen führen.
Ein Tropfen bei einer 10 mg/ml-Tinktur entspricht etwa 0,5 mg THC. Das ist extrem niedrig. Selbst für erfahrene Nutzer ist das ein sanfter Einstieg. Bei 50 mg/ml wäre ein Tropfen 2,5 mg THC - immer noch sehr niedrig. Die meisten Experten empfehlen, mit weniger als 5 mg THC zu beginnen, wenn Sie noch nie Cannabis oral eingenommen haben.
Wie viel ist zu viel?
Es gibt keine tödliche Überdosis an Cannabis, aber es gibt durchaus unangenehme Erfahrungen. Zu viel THC kann zu Angst, Schwindel, Übelkeit oder einem Gefühl der Desorientierung führen. Diese Symptome sind zwar nicht gefährlich, aber sehr unangenehm. Die meisten Menschen, die eine schlechte Erfahrung machen, haben einfach zu schnell zu viel genommen.
Als Faustregel: Maximal 3 Tropfen pro Anwendung für Anfänger. Für erfahrene Nutzer mit niedrigem Toleranzniveau reichen oft 2 bis 4 Tropfen. Wer regelmäßig Cannabis konsumiert, könnte mit 5 bis 10 Tropfen beginnen - aber auch hier gilt: langsam steigern.
Einige Tinkturen enthalten CBD-dominante Formeln. Diese sind weniger psychoaktiv und eignen sich besser für Schmerzmanagement, Schlaf oder Entzündungen. Bei CBD-Tinkturen können Sie ruhig mit 5 bis 10 Tropfen starten, da CBD kaum Nebenwirkungen hat.
Faktoren, die Ihre Dosierung beeinflussen
- Gewicht: Je schwerer Sie sind, desto mehr Wirkstoff brauchen Sie - aber nicht linear. Ein 90 kg schwerer Mensch braucht nicht doppelt so viel wie ein 45 kg schwerer.
- Toleranz: Wer regelmäßig Cannabis raucht, braucht oft mehr Tropfen als jemand, der zum ersten Mal es probiert.
- Metabolismus: Schneller Stoffwechsel = kürzere Wirkdauer. Langsamer Stoffwechsel = längere Wirkung, aber auch höhere Anfälligkeit für Überdosierung.
- Essenszustand: Ein leerer Magen beschleunigt die Aufnahme. Essen vorher verlangsamt sie, macht die Wirkung aber stabiler.
- Produktqualität: Billige Tinkturen enthalten oft ungenaue Konzentrationen. Kaufen Sie nur von Anbietern, die Laborberichte veröffentlichen.
Wie messen Sie genau?
Die meisten Flaschen haben einen Tropfer mit einer festen Tropfengröße. Aber nicht alle sind gleich. Einige geben 0,03 ml pro Tropfen, andere 0,07 ml. Prüfen Sie die Produktbeschreibung - dort steht oft: „1 Tropfen = 0,05 ml“.
Wenn Sie unsicher sind: Nehmen Sie eine Spritze ohne Nadel (gibt’s in jeder Apotheke) und messen Sie 0,05 ml ab. Das ist genauer als ein Tropfer. Füllen Sie die Spritze, geben Sie die Flüssigkeit vorsichtig unter die Zunge - und Sie wissen genau, wie viel Sie eingenommen haben.
Wann und wie oft?
Die meisten Menschen nehmen Cannabis-Tinktur morgens oder abends ein - je nach Ziel. Für Schlafprobleme: 1 Stunde vor dem Schlafengehen. Für Schmerzen oder Angst: morgens oder nachmittags, wenn die Symptome auftreten.
Wiederholen Sie die Einnahme nicht öfter als zweimal täglich. Die Wirkung hält 6 bis 8 Stunden an. Zu häufige Einnahme führt nicht zu besseren Ergebnissen - sondern zu erhöhter Toleranz und möglichen Nebenwirkungen.
Was tun, wenn es zu viel war?
Sie haben 5 Tropfen genommen und fühlen sich plötzlich unwohl? Keine Panik. Trinken Sie Wasser, essen Sie etwas (besonders Nüsse oder Avocado - Fett hilft, THC zu binden), und legen Sie sich hin. Dunkelheit, Ruhe und tiefe Atmung helfen. Die Wirkung lässt nach 2 bis 4 Stunden nach. CBD-Tropfen können die Wirkung mildern - wenn Sie welche haben, nehmen Sie 10 bis 15 Tropfen davon.
Vermeiden Sie Alkohol, Koffein und starke Bewegung. Die Kombination mit Alkohol kann die Wirkung verstärken - und das wollen Sie nicht.
Was ist mit Cannabiswein?
Einige Menschen fragen: „Kann ich Cannabis-Tinktur mit Cannabiswein mischen?“ Nein. Cannabiswein ist ein anderes Produkt - es wird aus Cannabisblüten in Wein extrahiert und enthält oft ungenaue Mengen an THC. Es ist schwer zu dosieren und hat eine langsame, unvorhersehbare Wirkung. Kombinieren Sie es nicht mit Tinktur. Das erhöht das Risiko einer Überdosis erheblich. Behandeln Sie beide Produkte als getrennte Substanzen - und verwenden Sie nur eines zur gleichen Zeit.
Wann sollten Sie aufhören?
Wenn Sie nach einer Woche regelmäßiger Einnahme keine Verbesserung spüren, ist es Zeit, die Dosis zu überprüfen - oder einen Arzt aufzusuchen. Manche Menschen reagieren einfach nicht auf THC. Andere brauchen eine andere Form der Behandlung. Cannabis-Tinktur ist kein Wundermittel - aber sie kann helfen, wenn sie richtig eingesetzt wird.
Wann brauchen Sie ärztlichen Rat?
- Sie nehmen Medikamente ein (besonders Blutverdünner, Antidepressiva, Schlafmittel)
- Sie haben eine Leber- oder Herzkrankheit
- Sie sind schwanger oder stillen
- Sie haben eine Psychiatrie-Diagnose (z. B. Schizophrenie, bipolare Störung)
In diesen Fällen ist die Einnahme von Cannabis-Tinktur riskant. Ein Arzt mit Erfahrung in Cannabistherapie kann Ihnen helfen, eine sichere Alternative zu finden.
Die einfachste Regel: Langsam, still, genau
Es gibt keinen Grund, schnell zu viel zu nehmen. Die Wirkung kommt nicht mit einem Knall - sie steigt langsam an. Wenn Sie heute einen Tropfen nehmen und morgen zwei, dann drei - und erst nach einer Woche auf fünf gehen - dann haben Sie die perfekte Dosierung gefunden. Nicht weil es die „richtige“ ist, sondern weil sie für Sie funktioniert.
Notieren Sie sich: Datum, Tropfenanzahl, Zeit, Wirkung (z. B. „Schlaf besser“, „keine Schmerzen mehr“, „leicht schwindelig“). Nach ein paar Wochen haben Sie eine klare Übersicht. Und das ist der Schlüssel zur sicheren, selbstbestimmten Nutzung.