Wenn du dich für Absinthe oder Absinth interessierst, hast du vielleicht schon mal gesehen, dass beide Schreibweisen verwendet werden - und dich gefragt, ob es wirklich einen Unterschied gibt. Die Antwort ist einfach: Absinthe ist die korrekte, internationale Bezeichnung. Absinth ist eine veraltete oder falsche Schreibweise, die vor allem in deutschsprachigen Regionen auftritt - aber nicht mehr offiziell gilt.
Die richtige Schreibweise: Absinthe
Absinthe ist ein hochprozentiger Kräuterlikör, der traditionell aus Wermut, Anis und Fenchel hergestellt wird. Der Name stammt aus dem Griechischen apsinthion, was „untrinkbar“ bedeutet - ein Hinweis auf den bitteren Geschmack des Wermuts. Die moderne internationale Standardsprache, einschließlich der französischen, englischen und italienischen Bezeichnung, verwendet immer Absinthe. Das ist nicht nur eine Frage der Grammatik, sondern auch der historischen Genauigkeit.
Die Schweiz, Frankreich und die USA, wo Absinthe nach einem langen Verbot seit den 2000er Jahren wieder legalisiert wurde, verwenden ausschließlich Absinthe. Selbst in deutschen Fachbüchern über Alkohol und Spirituosen, wie dem Deutschen Spirituosenkodex, wird diese Schreibweise als einzig korrekt geführt. Wer heute in einer Bar in Zürich, Paris oder Berlin einen echten Absinthe bestellt, wird auf der Karte Absinthe finden - nie Absinth.
Warum gibt es dann die Schreibweise Absinth?
Die Form Absinth ist eine deutsche Vereinfachung, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert verbreitet war. Damals wurde der Name oft so geschrieben, weil die deutsche Sprache den Endlaut -e in Fremdwörtern häufig weglässt - etwa wie bei Alkohol statt Alcool. Diese Schreibweise war rein sprachlich motiviert, nicht historisch oder chemisch begründet.
Im 20. Jahrhundert, als Absinthe in den meisten Ländern verboten wurde, verschwand auch die korrekte Schreibweise aus der Öffentlichkeit. Als er in den 2000er Jahren wieder auftauchte, nutzten viele deutsche Hersteller und Händler aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit weiterhin Absinth. Das war kein Fehler der Tradition, sondern der Nachlässigkeit.
Heute ist Absinth kein Synonym, sondern ein sprachlicher Irrtum. Es gibt keine unterschiedliche Rezeptur, keinen anderen Alkoholgehalt, keine andere Wirkung - nur eine falsche Schreibweise. Wer Absinth sagt, meint eigentlich Absinthe.
Was macht echten Absinthe aus?
Echter Absinthe wird nach traditionellen Methoden hergestellt: Die Kräuter - vor allem Wermut (Artemisia absinthium), große Anisstern und Fenchel - werden in reinem Ethanol angesetzt und destilliert. Danach wird er oft farblos abgefüllt, aber manche Varianten werden mit zusätzlichen Kräutern nachgefärbt, um das charakteristische Grün zu erzeugen. Dieser Prozess nennt sich coloration und ist Teil des traditionellen Handwerks.
Der Alkoholgehalt liegt zwischen 45 und 74 Vol.-%. Der Geschmack ist komplex: bitter von Wermut, süß von Anis, würzig von Fenchel. Der berühmte „La Louche“-Effekt - die trübe, milchige Farbe, wenn Wasser hinzugegeben wird - entsteht durch die Öle der Kräuter, die sich bei Kühlung auskristallisieren. Das ist kein Trick, sondern ein Zeichen für Qualität.
Einige Hersteller fügen heute künstliche Farbstoffe oder Aromen hinzu, um Kosten zu sparen. Echte Absinthe hingegen verwendet nur natürliche Zutaten. Die EU-Richtlinie für Absinthe (Verordnung (EG) Nr. 110/2008) schreibt vor, dass Thujon - ein natürliches ätherisches Öl aus Wermut - nicht mehr als 35 mg/l enthalten darf. Das ist weit unter der Menge, die früher in den 1800ern vorkam. Die berühmte „Absinthe-Wahnsinn“-Legende beruht auf Übertreibungen und schlechter Qualität - nicht auf der Substanz selbst.
Der Mythos um die Wirkung
Ein häufiges Missverständnis ist, dass Absinthe halluzinogene Wirkungen hat. Das ist falsch. Thujon ist in geringen Mengen neurotoxisch, aber in modernem Absinthe ist es so wenig enthalten, dass es keine psychotropen Effekte auslöst. Eine Studie der Universität Zürich aus dem Jahr 2008 analysierte 32 historische und moderne Absinthe-Proben und kam zu dem Ergebnis: Selbst die ältesten Flaschen enthielten nicht genug Thujon, um eine Wirkung zu erzeugen, die über normale Alkoholeffekte hinausgeht.
Die Halluzinationen, die in der Belle Époque beschrieben wurden, waren eher auf übermäßigen Alkoholkonsum, schlechte Qualität (z. B. giftige Zusätze wie Kupfersulfat zur Farbe) oder psychische Probleme zurückzuführen. Der Mythos wurde von der Temperenzbewegung und der Presse geschürt, um das Getränk zu diskreditieren.
Absinthe heute: Wo man sie findet
Heute gibt es in Deutschland, der Schweiz und Österreich eine wachsende Szene von kleinen Destillen, die echten Absinthe herstellen. In Mainz, wo ich lebe, gibt es zwei kleine Brennereien, die nach traditionellen Rezepten arbeiten - einer davon verwendet Wermut aus dem Rheingau. In Frankreich ist Absinthe wieder ein Kultgetränk - besonders in der Region Pontarlier, wo es seit 1797 produziert wird.
Im Supermarkt findest du oft billige Produkte, die sich nur Absinth nennen. Diese sind meist stark gesüßt, mit künstlichen Aromen und ohne echte Destillation. Sie schmecken wie süßer Anislikör - nicht wie echter Absinthe. Wer echte Qualität will, sucht nach Herstellern wie Pernod Ricard, La Clandestine, Le Tourment Vert oder deutschen Kleindestillen wie St. George Absinthe oder Wormwood Spirits.
Wie man Absinthe richtig trinkt
Traditionell wird Absinthe nicht pur getrunken. Die klassische Zubereitung ist der La Louche-Prozess:
- Eine kleine Menge Absinthe (20-30 ml) in ein Glas geben.
- Eine spezielle Absinthlöffel mit einer Zuckerkügelchen darauf platzieren.
- Langsam eisgekühltes Wasser über den Zucker tropfen lassen, bis das Getränk trüb wird (meist 3-5 Teile Wasser pro 1 Teil Absinthe).
- Den Zucker auflösen und genießen.
Dieser Prozess öffnet die Aromen und mildert den hohen Alkoholgehalt. Wer das nicht macht, verliert den ganzen Geschmack - und riskiert einen zu starken Rausch.
Warum die Schreibweise wirklich zählt
Es mag wie eine pedantische Kleinigkeit klingen, aber die Schreibweise Absinthe statt Absinth ist ein Zeichen von Respekt gegenüber der Geschichte und dem Handwerk. Wer den Namen falsch schreibt, zeigt nicht nur Unkenntnis - er verbindet sich mit einem Mythos, der nicht stimmt. Echter Absinthe ist kein Drogenlikör, kein Wundermittel, kein Nostalgie-Produkt. Er ist ein komplexer, handwerklich hergestellter Kräuterlikör mit einer reichen Kulturgeschichte - und er verdient, richtig benannt zu werden.
Wenn du heute einen Absinthe kaufst, schau auf die Flasche: Steht dort Absinthe? Dann ist es echt. Steht Absinth? Dann ist es wahrscheinlich eine billige Variante - oder ein sprachlicher Fehler.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Absinthe ist die korrekte internationale Schreibweise.
- Absinth ist eine veraltete, nicht mehr gültige deutsche Schreibweise.
- Beide bezeichnen das gleiche Getränk - nur eine Schreibweise ist richtig.
- Echter Absinthe enthält keine halluzinogenen Substanzen.
- Thujon ist in modernem Absinthe gesetzlich begrenzt und unschädlich in den verwendeten Mengen.
- Die Zubereitung mit Wasser und Zucker ist Teil der Tradition - nicht optional.
- Vermeide Produkte mit künstlichen Farbstoffen oder Aromen.
Ist Absinth das gleiche wie Absinthe?
Ja, es ist das gleiche Getränk. Absinth ist nur eine veraltete, falsche Schreibweise, die vor allem in Deutschland verwendet wurde. Die korrekte und internationale Bezeichnung ist Absinthe. Es gibt keinen Unterschied in der Zusammensetzung, dem Geschmack oder der Wirkung - nur in der Schreibweise.
Warum wurde Absinthe verboten?
Absinthe wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in vielen Ländern verboten, weil es als gefährlich und moralisch zerstörerisch angesehen wurde. Die Begründung war der angeblich halluzinogene Effekt durch Thujon. Heute weiß man: Die Wirkung kam hauptsächlich vom hohen Alkoholgehalt und von minderwertigen Zusätzen wie Kupfer oder Antimon. Die echten Thujonmengen waren nie hoch genug, um Halluzinationen auszulösen.
Kann man Absinthe heute legal kaufen?
Ja, Absinthe ist seit den 2000er Jahren in der EU, den USA und vielen anderen Ländern legal. Die EU verlangt, dass der Thujongehalt unter 35 mg/l liegt - das ist sicher und reguliert. Du findest ihn in Fachgeschäften für Spirituosen, manchen Weinläden und online von seriösen Herstellern.
Was ist der Unterschied zwischen Absinthe und Anislikör?
Anislikör ist ein einfacher Kräuterlikör mit Anis und Zucker, oft mit künstlichen Aromen. Absinthe enthält zusätzlich Wermut und Fenchel, wird destilliert (nicht nur aromatisiert) und hat einen höheren Alkoholgehalt. Der Geschmack ist komplexer, bitterer und weniger süß. Echter Absinthe wird auch nicht pur getrunken - er wird mit Wasser verdünnt.
Wie erkenne ich einen echten Absinthe?
Ein echter Absinthe hat immer eine Alkoholstärke von mindestens 45 % Vol., enthält keine künstlichen Farbstoffe (grün entsteht durch natürliche Kräuter), und wird mit Wermut, Anis und Fenchel destilliert. Die Flasche sollte den Namen Absinthe tragen - nicht Absinth. Achte auch auf den Hersteller: Kleine Destillen aus der Schweiz, Frankreich oder Deutschland sind oft verlässlicher als Massenprodukte.